F.C.I.-Standard


Nr. 235/10.04.2002/D


Ursprung: Deutschland
Datum der Publikation des gültigen Original-Standard: 13.03.2001

Verwendung: Begleit-, Wach- und Schutzhund

F. C. I. - Klassifikation:
Gruppe 2: Pinscher und Schnauzer, Molossoide, Schweizer Sennenhunde und andere Rassen
Sektion 2.1: Molossoide, doggenartige Hunde ohne Arbeitsprüfung



RASSESTANDARD

01 - Nase
02 - Nasenrücken
03 - Lefze (Oberlippe)
04 - Stirnabsatz (Stop)
05 - Backe
06 - Oberkopf
07 - Kehlgang
08 - Ohren
09 - Hals
10 - Nacken
11 - Widerrist
12 - Rücken
13 - Kruppe
14 - Becken
15 - Rutenansatz
16 - Rute
17 - Vorderbrust
18 - Seitenbrust (Rippenkorb)
19 - Unterbrust
20 - Schulterblatt
21 - Oberarm
22 - Ellenbogengelenk
23 - Unterarm
24 - Vorderfußwurzelgelenk
25 - Vordermittelfuß
26 - Zehen
27 - Glied
28 - Oberschenkel
29 - Kniescheibe
30 - Unterschenkel
31 - Sprungbeinhöcker
32 - Sprunggelenk
33 - Hintermittelfuß

1. Geschichtlicher Überblick

Als Vorläufer der heutigen Deutschen Dogge sind der alte Bullenbeißer sowie die Hatz- und Saurüden anzusehen, die ein Mittelding zwischen dem starken Mastiff englischer Prägung und einem schnellen, wendigen Windhund waren. Unter Dogge verstand man zunächst einen großen, starken Hund, der keiner bestimmten Rasse angehören mußte. Später bezeichneten Namen wie Dogge, Englische Dogge, Ulmer Dogge, Dänische Dogge, Hatzrüde, Saupacker und große Dogge verschiedene Typen dieser Hunde nach Farbe und Größe. Im Jahre 1878 wurde in Berlin von einem siebenköpfigen Komitee, bestehend aus engagierten Züchtern und Richtern, unter dem Vorsitz von Dr. Bodinus der Beschluß gefaßt, alle obengenannten Varianten unter dem Namen "Deutsche Dogge" zu erfassen. Damit wurde der züchterische Grundstein für eine eigenständige deutsche Hunderasse gelegt. Im Jahre 1880 wurde anläßlich einer Ausstellung in Berlin erstmals ein Doggen-Standard festgelegt, seit dem Jahre 1888 vom "Deutscher Doggen Club 1888 e. V." betreut und im Laufe der Jahre wiederholt geändert. Seine heutige Formatierung entspricht den Vorgaben der F. C. I..

2. Allgemeines Erscheinungsbild

Die Deutsche Dogge vereinigt in ihrer edlen Gesamterscheinung bei einem großen, kräftigen und wohlgefügten Körperbau Stolz, Kraft und Eleganz. Durch Substanz, gepaart mit Adel, Harmonie der Erscheinung, einer wohlproportionierten Linienführung sowie ihrem besonders ausdrucksvollen Kopf wirkt sie auf den Betrachter wie eine edle Statue. Sie ist der Apoll unter den Hunderassen.

3. Wichtige Maßverhältnisse

Das Gebäude erscheint nahezu quadratisch; dies gilt besonders für Rüden. Die Rumpflänge (Brustbeinspitze bis Sitzbeinhöcker) soll die Widerristhöhe bei Rüden um nicht mehr als 5% und bei Hündinnen um nicht mehr als 10% überschreiten. Die Widerristhöhe beträgt bei Rüden mindestens 80 cm und bei Hündinnen mindestens 72cm.

4. Wesen

Freundlich, liebevoll und anhänglich gegenüber ihren Besitzern, besonders gegenüber den Kindern; zurückhaltend gegenüber Fremden. Gefordert wird ein selbstsicherer, unerschrockener, leichtführiger, gelehriger Begleit- und Familienhund mit einer hohen Reizschwelle, ohne Aggressivverhalten.

5. Kopf

In Harmonie zur Gesamterscheinung, langgestreckt, schmal, markant, ausdrucksvoll, fein qemeißelt (besonders die Partie unter den Augen); die Augenbrauenbögen gut entwickelt, ohne jedoch hervorzutreten. Der Abstand von der Nasenspitze zum deutlich betonten Stop und vom Stop zum schwach ausgeprägten Hinterhauptsbein soll möglichst gleich sein. Die oberen Linien von Fang und Schädel sollen parallel verlaufen. Von vorne gesehen muß der Kopf schmal erscheinen, wobei der Nasenrücken möglichst breit und die Backenmuskeln nur leicht angedeutet sein sollen, keinesfalls stark hervortretend.

5.1. Nase:
Gut ausgebildet, mehr breit als rund und mit großen Öffnungen. Sie muß schwarz sein, mit Ausnahme bei schwarz-weiß gefleckten Doggen. Bei diesen ist eine schwarze Nase erwünscht und eine schwarz gefleckte oder fleischfarbene zu tolerieren.

5.2. Fang:
Soll tief und möglichst rechteckig sein. Gut erkennbare Lefzenwinkel. Dunkel pigmentierte Lefzen. Bei schwarz-weiß gefleckten Doggen sind unvollständig pigmentierte oder fleischfarbene Lefzen zu tolerieren.

5.3. Kiefer/Gebiß/Zähne:
Gut ausgebildete, breite Kiefer. Kräftiges, gesundes und vollständiges Scherengebiß (42 Zähne gemäß der Zahnformel)

5.4. Augen:
Mittelgroß, rund, möglichst dunkel, mit lebhaftem, klugem Ausdruck. Bei blauen Doggen sind etwas hellere Augen zulässig. Bei schwarz-weiß gefleckten Doggen sind helle oder Augen von unterschiedlicher Farbe zu tolerieren. Die Lider sollen sehr gut anliegen.

5.5. Ohren:
Von Natur aus hängend, hoch angesetzt, von mittlerer Größe, vordere Ränder an den Backen anliegend.

5.6. Hals:
Lang, trocken, muskulös. Gut ausgebildeter Ansatz, sich zum Kopf hin leicht verjüngend mit geschwungener Nackenlinie. Aufgerichtet getragen, dabei etwas schräg nach vorne geneigt.

6. Körper

6.1. Widerrist:
Der höchste Punkt des kräftigen Körpers. Er wird gebildet durch die Schulterblattkämme, die die Dornfortsätze überragen.

6.2. Rücken:
Kurz und straff, in annähernd gerader Linie geringfügig nach hinten abfallend. Lenden leicht gewölbt, breit, kräftig bemuskelt.

6.3. Kruppe:
Breit, stark bemuskelt, vom Kreuzbein zum Rutenansatz hin leicht abfallend und unmerklich mit dem Rutenansatz verlaufend.

6.4. Rute:
Bis zum Sprunggelenk reichend. Hoch und breit angesetzt, sich zum Ende hin gleichmäßig verjüngend. In der Ruhe mit natürlichem Schwung herabhängend, in der Erregung oder im Lauf leicht säbelartig getragen, doch nicht wesentlich oberhalb der Rückenlinie. Bürstenrute nicht erwünscht.

6.5. Brustkorb:
Bis zu den Ellenbogengelenken reichend. Gut gewölbte, weit zurückreichende Rippen. Brust von guter Breite, mit ausgeprägter Vorbrust.

6.6. Untere Linie:
Bauch nach hinten gut aufgezogen, mit der Unterseite des Brustkorbes eine schön geschwungene Linie bildend

7. Vorderhand

7.1. Schultern:
Kräftig bemuskelt. Das Schulterblatt, lang und schräg liegend, bildet mit dem Oberarm einen Winkel von etwa 100 bis 110 Grad.

7.2. Oberarm:
Kräftig und muskulös, gut anliegend, sollte etwas länger als das Schulterblatt sein.

7.3. Ellenbogen:
Weder aus- noch einwärts drehend.

7.4. Unterarm:
Kräftig, muskulös, von vorne und von der Seite gesehen völlig gerade.

7.5. Vorderfußwurzelgelenk:
Kräftig, stabil sich nur unwesentlich von der Struktur des Unterarms abhebend.

7.6. Vordermittelfuß:
Kräftig von vorne gesehen gerade, von der Seite gesehen nur gering nach vorne gerichtet.

7.7. Vorderpfoten: Rundlich, hoch gewölbt und gut geschlossen (Katzenpfoten). Nägel kurz, stark, möglichst dunkel.

8. Hinterhand

Das gesamte Knochengerüst ist von starken Muskeln bedeckt, die die Kruppe, die Hüfte und die Oberschenkel breit und abgerundet erscheinen lassen. Die kräftigen, gut gewinkelten Hinterläufe stehen, von hinten gesehen, parallel zu den Vorderläufen.

8.1. Oberschenkel:
Lang, breit, sehr muskulös.

8.2. Knie:
Kräftig, nahezu lotrecht unter dem Hüftgelenk stehend.

8.3. Unterschenkel:
Lang, von etwa gleicher Länge wie der Oberschenkel, gut bemuskelt.

8.4. Sprunggelenk:
Kräftig, stabil, weder nach innen noch nach außen gerichtet.

8.5. Hintermittelfuß:
Kurz, kräftig, nahezu senkrecht zum Boden stehend.

8.6. Hinterpfoten: Rundlich, hoch gewölbt und gut geschlossen (Katzenpfoten). Nägel kurz, stark, möglichst dunkel.

9. Gangwerk

Harmonisch, geschmeidig, raumgreifend, leicht federend, wobei sich die Läufe, von vorne und von hinten gesehen, parallel bewegen müssen.

10. Haut

Straff anliegend, bei Einfarbigen gut pigmentiert. Bei schwarz-weiß gefleckten Doggen entspricht die Pigmentverteilung überwiegend der Fleckung.

11. Haarkleid

11.1. Beschaffenheit:
Sehr kurz und dicht, glatt anliegend, glänzend.

11.2. Farben:
Die Deutsche Dogge wird in drei selbständigen Varianten gezüchtet:
Gelb und Gestromt,
Gefleckt und Schwarz,
Blau.



Gelb: Hellgoldgelb bis zum satten Goldgelb, schwarze Maske erwünscht. Nicht erwünscht sind kleine weiße Abzeichen an Brust und Zehen.
Gestromt: Grundfarbe Hellgoldgelb bis zum satten Goldgelb, mit schwarzen, möglichst gleichmäßigen und klar gezeichneten, in Richtung der Rippen verlaufenden Streifen; schwarze Maske erwünscht. Nicht erwünscht sind kleine weiße Abzeichen an Brust und Zehen.
Schwarz-Weiß gefleckt (Sog. Tigerdoggen): Grundfarbe rein weiß, möglichst ohne jede Stichelung, mit über den ganzen Körper gut verteilten, ungleichförmigen, zerrissenen, lackschwarzen Flecken. Nicht erwünscht sind graue oder bräunliche Fleckenanteile.
Schwarz: Lackschwarz, weiße Abzeichen sind zugelassen; hierzu zählen auch die Manteltiger, bei denen das Schwarz mantelartig den Körper bedeckt und Fang, Hals, Brust, Bauch, Läufe und Rutenspitze weiß sein können.
Blau: Rein stahlblau, weiße Abzeichen an Brust und Pfoten sind zugelassen.

12. Fehler

Jede Abweichung von den vorgenannten Punkten sollte als Fehler angesehen werden, dessen Bewertung im Verhältnis zum Grad der Abweichung stehen sollte. Das gilt insbesondere für folgende Abweichungen:

12.1. Allgemeines Erscheinungsbild:
Mangelndes Geschlechtsgepräge, fehlende Harmonie, zu leicht, zu grob.

12.2. Wesen:
Mangelnde Selbstsicherheit, nervös, niedrige Reizschwelle.

12.3. Kopf:
Nicht parallel verlaufende Kopflinie, Apfelkopf, Keilkopf, zu wenig Stop, stark ausgeprägte Backenmuskulatur.

12.4. Fang:
Spitz, mangelnde Belefzung, zu weit überhängende Lefzen (Flatterlippen). Nasenrücken konkav (Sattelnase) konvex (Ramsnase) oder vorne abfallend (Adlernase).

12.5. Gebiß/Zähne:
Alle Abweichungen vom vollständigen Gebiß (zu tolerieren ist nur das Fehlen der P1 im Unterkiefer): unregelmäßige Stellung einzelner Schneidezähne, soweit der Gebißschluß überwiegend erhalten bleibt; zu kleine Zähne; Zangengebiß.

12.6. Augen:
Lose Lider, zu stark gerötete Bindehäute; helle, stechende, bernsteingelbe Augen; wässerigblaue oder Augen von unterschiedlicher Farbe bei allen Einfarbigen. Zu weit stehende Augen oder "Schlitzaugen".

12.7. Ohren:
Zu hoch oder zu tief angesetzt, seitlich abstehend oder flach anliegend. Kupierte Ohren: in Form und Länge nicht zum Kopf passend, nicht gleichmäßig straff aufrechtstehend.

12.8. Hals:
Kurzer, dicker Hals, Hirschhals, zuviel lose Kehlhaut oder Wamme.

12.9. Rücken:
Senkrücken, Karpfenrücken, zu langer Rücken, nach hinten ansteigende Rückenlinie.

12.10. Kruppe:
Stark abfallend oder waagerecht gelagert.

12.11. Rute:
Zu starke, zu lange oder zu kurze, zu tief angesetzte, zu hoch über der Rückenlinie, hakenförmig oder geringelt getragene sowie seitlich abgedrehte Rute. Aufgeschlagene, am Ende verdickte oder kupierte Rute.

12.12. Brustkorb:
Flache oder tonnenförmige Rippen, fehlende Brustbreite oder -tiefe, zu stark hervortretendes Brustbein.

12.13. Untere Linie:
Zu wenig aufgezogene Bauchlinie; mangelhaft zurückgebildetes Gesäuge.

12.14. Vorderhand:
Nicht genügend gewinkelt. Leichte Knochen, schwach bemuskelt. Kein lotrechter Stand.

12.15. Schultern:
Lose, überladen. Steilliegendes Schulterblatt.

12.16. Ellenbogen:
Lose, nach innen oder nach außen gedreht.

12.17. Unterarm:
Gebogen. Auftreibungen oberhalb des Vorderfußwurzelgelenks.

12.18. Vorderfußwurzelgelenk:
Aufgetrieben. Erheblich nachgebend oder überknickend.

12.19. Vordermittelfuß:
Zu schräg oder zu steil gestellt.

12.20. Hinterhand:
Zu offene oder zu geschlossene Wickelungen. Kuhhessiger, enghessiger oder faßbeiniger Stand.

12.21. Sprunggelenk:
Aufgetrieben, instabil.

12.22. Pfoten:
Flach, gespreizt, lang.

12.23. Gangwerk:
Zu wenig raumgreifend, unfreie Aktion, häufiger oder ständiger Paßgang, mangelnde Übereinstimmung zwischen Vorder- und Hinterhandaktionen.

12.24. Haarkleid:
Beschaffenheit: Stockhaar, Stumpfes Haar.

12.25. Farben:
Gelb: Gelbgraue, gelbblaue, isabell oder schmutziggelbe Farbe.
Gestromt: Grundfarbe silberblau oder isabell; verwaschene Stromung.
Schwarz-Weiß gefleckt: Blau-grau gestichelte Grundfarbe, größere gelb-graue oder blau-graue Fleckenanteile.
Schwarz: Gelb-, braun- oder blauschwarze Farbe.
Blau: Gelb- oder schwarzblaue Farbe.

13. Schwere Fehler

13.1. Wesen: Scheue.

13.2. Gebiss/Zähne: Vorbiß, Rückbiß, Kreuzbiß.

13.3. Augen: Ektropium, Entropium.

13.4. Rute: Knickrute.

14. Ausschließende Fehler

14.1. Wesen: Aggressivität, Angstbeissen.

14.2. Nase: Leberfarbene Nase, Spaltnase.

14.3. Farben:
Gelbe und gestromte Doggen mit weißem Stirnstrich ,weißem Halsring, weißen Pfoten oder "Strümpfen" und weißer Rutenspitze. Blaue Doggen mit weißem Stirnstrich, weißem Halsring, weißen "Strümpfen" oder weißer Rutenspitze. Bei schwarz-weiß gefleckten Doggen: Weiße ohne jedes Schwarz (Albinos) sowie taube Doggen; sogenannte Porzellantiger (diese zeigen vorwiegend blaue, graue, gelbe oder auch gestromte Flecken); sogenannte Grautiger (diese haben bei schwarzer Fleckung eine graue Grundfarbe).

15. Rüden:


Rüden sollen zwei offensichtlich normal entwickelte Hoden aufweisen, die sich vollständig im Hodensack befinden.









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